Tagesfahrt Männerverein 2024

>> Nur fliegen ist schöner <<

Mit diesem Ausflugs-Motto machten an Christi Himmelfahrt 46 Männer vom Varenseller Männerverein dem sonnigen Feiertag alle Ehre.

Mit einem bequemen Reisebus von Klesener Reisen ging es nach Wunstorf und nach Hannover Laatzen zu 2 verschiedenen tollen Museen der Luftfahrt-Geschichte. Lest gerne den nachfolgenden Tagesbericht mit vielen Bildern.

 

Unser "boarding" an der Klosterkirche erfolgte pünktlich bei strahlend blauem Morgenhimmel. Busfahrer Heiko hatte Klapptische, frisch aufgebrühten Kaffee und Kaltgetränke für uns mit dabei, so dass am Rastplatz Auetal an der A2 nach gut einer Stunde das rustikale Frühstück am Bus den ersten Appetit stillen konnte. Wir hatten Glück bei großer Parkplatznot eine Lücke zwischen so vielen LKW entdeckt zu haben! Nach 30 Minuten Pause ging es weiter zum ersten Tagesziel: die JU52 Halle am Fliegerhorst in Wunstorf. Dort wurden wir um 10 Uhr vom Leiter der Museumshalle Manfred Pickel ganz herzlich begrüßt. Diese wird seit 2004 von der Traditionsgemeinschaft Lufttransport Wunstorf e.V. (TGLW e.V.) mit aktuell über 400 Mitgliedern als eingetragener, gemeinnütziger Verein und Mitglied im Dachverband "Gemeinschaft deutscher Transportflieger- GdT" betrieben. Die Halle wurde 1989 in Unterstützung des Lufttransportgeschwaders 62 (LTG62) vor der ehemaligen Hauptwache des Fliegerhorstes in Wunstorf zu einem Museumsbereich mit Außengelände fertiggestellt.

Im Mittelpunkt der Museumshalle steht eine im Originalzustand restaurierte Ju-52. Vor dieser saßen die Männer aus Varensell im bestuhlten Halbrund und lauschten andächtig den eindrucksvollen Erzählungen des Museumleiters zur Geschichte eines Flugzeuges, welches mit vielen Anstrengungen aus den Tiefen eines norwegischen Sees hervorgeholt und in akribischer Kleinarbeit nun vollständig und wiederhergestellt anzuschauen ist.

Der ehemalige LTG62 Bedienstete und aus Landshut stammende Manfred Pickel erzählte uns in spannender und sehr unterhaltsamer Art und Weise die Geschichte von einer Flieger-Staffel mit ursprünglich 14 "Tante JU" in einer Mission während des zweiten Weltkriegs in Norwegen. Dabei mußten 11 Maschinen aufgrund Treibstoffmangels auf einem zugefrorenen See notlanden. Leider lag dort eine dicke Schneedecke, so dass die ersten beiden einen Kopfstand machten.

Nach dieser beeindruckenden Einführung in die Entstehungsgeschichte der JU52 Halle des LTG62 schauten sich alle Männer in der Museumshalle der Reihe nach alle weiteren Ausstellungsstücke, sowie viele Modelltafeln und Schaukästen an, welche jede Menge Geschichten und historische Informationen zu erzählen hatten. Nach einer Weile trafen wir uns dann im Freigelände neben der Museumshalle an einer dort stehenden und ausgemusterten Transall Maschine der Bundeswehr.

Museumsleiter Manfred Pickel holte alle Teilnehmer der Männer Tagestour an Bord der Transall und schloß die Luke. Die meisten nahmen Platz, so wie es seinerzeit eine Bundeswehr Truppe tat. Wir erfuhren technische Daten zur Maschine, zu besonderen Einsatz-Bedingungen wie z.B. in Wüstenhitze mit viel Staub und zu den besonderen Flugeigenschaften und Leistungsfähigkeiten dieses damals sehr zuverlässigen Transportflugzeuges. Parallel zu seinen Erzählungen wurden einige Videos gezeigt, um z.B. Flugsituationen "quasi live" verfolgen zu können. Besonders beeindruckend war in einem Video der Start einer Transall in hoher Luftfeuchtigkeit, was die Wirkungsweise von Propellern in Funktion einer Luftschraube hervorragend verdeutlichen konnte. Wir hätten noch so viel zu hören und sehen gehabt!

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Herrn Pickel für dieses Wissen und Herzblut im Museum!

Leider ging unsere Zeit bei der LTG62 sehr schnell vorüber und so verließen wir das Gelände und es hieß Aufsitzen zum Essen fassen!

Von der JU52 Halle war es nur ein paar Kilometer zur Waldgaststätte Alten's Ruh in Wunstorf. Dort konnten wir in einem angenehmen und schönen kleinen Saal unser Schnitzelbuffet mit Röstis und Salat schlemmen, wobei draußen mit DJ im Biergarten ein Ramba Zamba Betrieb herrschte an Vatertagsausflüglern. Frisch gestärkt und mit kühlen Getränken versorgt ging es anschließend wenige Meter zurück zum Bus, damit Heiko das zweite Tagesziel ansteuern konnte: das Luftfahrt-Museum Hannover-Laatzen (Sammlung Günter Leonhardt) unweit vom Messe Gelände. Die Geschichte der Luftfahrt wird dort vom ersten Heißluftballon der Gebrüder Montgolfier bis zum modernen Überschalljäger der Neuzeit zu großen Teilen in Originalmaschinen ausgestellt.

Das Museum wird ausschließlich durch einen Verein und ehrenamtliche Mitarbeiter betrieben. So wurden wir ganz herzlich vom Vorstands-Mitglied Klaus-Dieter Hoppe begrüßt, der sogleich an unsere beiden Führungs-Personen Alphart Wolfrum (Mach 1 Spezialist) und Gerd Sommerkamp weiterleitete.

Unser erster Eindruck in Halle 1 des Museums ließ Großes erahnen, denn auf 3.500 m² Ausstellungsfläche in zwei Hallen werden 36 Flugzeuge, 673 Flugzeugmodelle sowie 30 Kolbenmotoren und Strahltriebwerke ausgestellt.

Unsere Mannschaft wurde in 2 Gruppen aufgeteilt, wobei es eine Spezialführung gab: Alphart Wolfrum war DER Experte zur Geschichte des Überschallfluges! Benannt nach dem österreichischen Physiker Ernst Mach, hat das Erreichen der Schallgeschwindigkeit (343 Meter in der Sekunde oder 1234,8 km/h) die Luftfahrt so sehr verändert, wie kaum etwas anderes in der Geschichte des Fliegens. Um diese Geschwindigkeit überhaupt erreichen zu können, musste eine neue Art von Antrieb erfunden werden. Mit den gängigen Kolbenmotoren, egal ob Stern- oder Reihenmotor in Verbindung mit einem Propeller, waren maximal 700 km/h möglich. Hans von Ohain konstruierte um 1935 das erste Axial Düsentriebwerk. Ausgerüstet mit einem Axialverdichter war die Bauform wesentlich kompakter als die fast zur gleichen Zeit entwickelten Triebwerke mit Radialverdichter aus England. 

Im 2. Weltkrieg wurde die Entwicklung vorangetrieben und endete im ersten in Serie gebauten zweistrahligen Jagdflieger Messerschmitt ME 262, dessen Höchstgeschwindigkeit schon bei 870 km/h lag. Anhand von Modellen wurden der Aufbau und die Funktion von weiteren und unterschiedlich aufgebauten Triebwerken von Herrn Wolfrum erklärt.

Parallel zur "Mach1-Gruppe" führte Herr Sommerkamp die zweite Gruppe von den Anfängen der Fliegerei an Exponaten der Halle 1 ebenfalls in die Düsenjet-Halle 2 zu besonderen Erklärungen wie z.B. zu Aufbau und Wirkung von Propeller-Motoren und auch die Verschlüsselungs-Funktion einer Enigma aus deutschen U-Booten. So ergänzen besondere technische Schätze auch ein Luftfahrtmuseum!

Ein Höhepunkt der Ausstellung in Halle 2 ist jedoch der Lockheed F-104 „Starfighter“. Dieses einstrahlige Kampfflugzeug wurde zwischen 1956 und 1975 gebaut und war auch bei der Bundeswehr im Einsatz. Das Flugzeug war äußerst schwer zu fliegen und verlangte den Piloten alles ab. Aufgrund von zahlreichen Konstruktionsfehlern gab es viele Abstürze. Damit der Starfighter so hohe Geschwindigkeiten erreichen konnte, wurden die Tragflächen extrem klein gebaut. Dadurch war das Gleitfenster, in dem die Piloten sicher landen konnten, sehr klein. Es gab nur ein Triebwerk und wenn es zu Problemen kam, gab es keine Reserve mehr und kaum eine Möglichkeit, das Flugzeug noch vernünftig zu Boden zu bringen.

 

So war es insgesamt für uns heute eine schöne Reise in die Welt des Fliegens und gerade der Überschallflug hat seinen besonderen Reiz. Technisch sehr anspruchsvoll und schwer zu beherrschen.

 

Begleitend zur "Spezialführung ÜBERSCHALLFLIEGEN" hatte uns Herr Wolfrum seine technische Expertise sowie Aspekte zum Thema Luftverschmutzung mit an die Hand gegeben, mit dem Hinweis, diese in unserem Bericht gerne der Öffentlichkeit zur Information weiterzuleiten - was wir hiermit tun möchten:

So war auch dieser zweite Museums-Besuch sehr empfehlenswert und viele von uns dachten "beim nächsten Mal bringe ich mehr Zeit mit". Es gäbe noch so viel zu entdecken und Wissen aufzunehmen!

Somit an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die beiden Ehrenämtler! Euer Einsatz ist aller Ehren wert - noch dazu in hohem Alter. Das verdient Respekt und Anerkennung, zumal euer geballtes Wissen sogar an Schulklassen oder auch in Englisch an Interessierte aus dem Ausland vermittelt wird. Toll!

 

Eigentlich rauchten spätestens jetzt all unsere Köpfe und es wurde stiller im Bus auf dem Weg zum Kaffeetrinken. Wir fuhren über Land in Richtung des ersten norddeutschen Höhenzuges, dem Deister.

Zum Dörfchen Mittelrode, wo die Café Scheune für uns gebucht war. Diese empfing uns mit urigen Plätzen unter Fachwerk. Verschieden leckere Tortenstücke wurden von Udo und Axel portionsweise an ihre Abnehmer gebracht. Auch ein paar erste Kannen Kaffee konnten gereicht werden. Dann versiegte leider die Quelle und wir entschlossen uns, vorzeitig wieder aufzubrechen. Fazit: wenn zu wenig Angestellte und in fehlender Vorbereitung eine Busgruppe bewirten sollen, dann haut das nicht hin.

Schade, dass dieser letzte Tagespunkt das i-Tüpfelchen zum Ausklang fehlen ließ.

Mit einem Mannschaftsfoto ging es nun zurück auf die A2 Rollbahn mit Ziel Varensell und Gaststätte Hesse, um dort den Tag bei Speis und Trank gemütlich ausklingen zu lassen. Der Männerverein bedankt sich bei Busfahrer Heiko für die geduldige und sichere Fahrt und ebenso bei allen Männern, die heute mitgefahren sind! Ein sonnig-schöner Ausflugtag ging wieder mal viel zu schnell vorbei!

Und in Gedanken kreist ein Flieger "über den Wolken, muß die Freiheit wohl grenzenlos sein ... "

Bericht von Martin Sandbote u. Axel Echtermeyer

Fotos von Martin Sandbote, Axel Echtermeyer u. Udo Lieder