Hostienbäckerei im Kloster

Eine runde Sache: Täglich entstehen 80 000 Hostien

Papst schätzt Varenseller Produkte

Bäckerei im Kloster

Eine runde Sache: Täglich entstehen 80 000 Hostien

 

aus www.die-glocke.de

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Tiemann

 

Rietberg-Varensell (gl). Wer glaubt, im Kloster gehe es immer ruhig und beschaulich zu, der hat die Kellerräume der Benediktinerinnen-Abtei in Varensell noch nicht gesehen. In der eigenen Bäckerei im Untergeschoss herrscht Hochbetrieb – fünf Tage pro Woche. Denn das Kloster ist auch ein Wirtschaftsbetrieb. Produziert werden nicht etwa Torten und Kuchen, sondern 80 000 Hostien pro Tag. Damit zählt die Bäckerei zu einer der größten in ganz Deutschland.

Schwester Diethild hat den Betrieb mehr als 20 Jahre lang geführt. Vor drei Jahren wollte sie kürzertreten, das Kloster suchte per Zeitungsannonce einen Betriebsleiter und stellte schließlich Gregor Papenfort ein. Gelernter Bäcker ist der 38-Jährige zwar nicht, er war vor dem (beruflichen) Gang ins Kloster als Schreiner tätig. Für die Benediktinerinnen-Abtei verfügt er damit aber über eine entscheidende Qualifikation: er kennt sich mit Maschinen aus.

Denn Technik ist auch im Kloster längst kein Fremdwort mehr. Drei Maschinen erledigen die Hauptarbeit in der Bäckerei. Die erste rührt den Teig, der ausschließlich aus Wasser und Weizenmehl bestehen darf. Das schreibt das Kirchenrecht vor. „Die Kunst ist es, die genaue Mischung hinzubekommen“, erklärt Schwester Diethild. Wenn die nicht stimmt, wird der Teig klebrig oder brüchig. Ist er gelungen, wird die helle Masse einer zweiten Maschine zugeführt. Sie sieht aus wie eine Straße mit hintereinander aufgereihten Waffeleisen. Die verwandeln den Teig in etwa DIN A 4 große, dünne Quadrate – das Rohmaterial, aus dem später die Hostien ausgestochen werden. Doch vorher müssen die Platten nebeneinander aufgereiht in einem Metallgestell trocknen. Die Teigquadrate erinnern in diesem Stadium mehr an eine Papiersammlung als an das, was in der Heiligen Messe den Leib Christi symbolisiert.

Die dritte Maschine gibt den Hostien dann ihr typisch rundes Aussehen. Schwester Stephana stapelt jeweils 50 Teigplatten in einer Holzkiste, lässt mehrmals den mechanischen Bohrer hindurchgleiten und gewinnt pro Kasten 2400 Hostien. Eine Arbeit, die nicht mehr so schwer ist wie damals, als noch per Hand ausgestochen wurde. Kraft erfordert sie dennoch: „Der Bohrer ist recht schwer zu steuern. Da muss ich ordentlich zufassen“, sagt Schwester Stephana.

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Bericht in "Die Glocke"
20120714.GLOCKE.GT.13_0 Hostienbäckerei.
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