Tagesfahrt Männerverein

Das Motto der diesjährigen Vatertagstour vom Männerverein war eine kleine Wortspielerei - genannt:  "Unter Strom"

 

Vormittags wurde das Museum im Umspannwerk der VEW Recklinghausen besucht ("Zeitreise Strom") und Nachmittags gewährte uns die Brennerei & Destillerie Habbel in Sprockhövel Genussmomente in ihre geschmacksvollen Geheimnisse.

43 Tourteilnehmer wurden sicher und bequem von Fa. Zander durch Reisebusfahrer Theo durch das grüne Ruhrgebiet begleitet. Alle waren sich einig: das war wieder eine erlebnisreiche Tagestour!

Los ging' s um viertel vor acht bei kühlen 6°C ab Hauptstraße um gleich auf die A2 in Richtung Recklinghausen zu starten. Die Sonne begleitete das rustikale Frühstück am Bus, denn mit ein wenig Glück hatten wir einen passenden Park- und Rastplatz gefunden.

Danach waren es noch wenige Kilometer zum Umspannwerk, was wir super pünktlich zur Einfahrts-Öffnung um 10 Uhr erreichten. Nach Aufteilung in zwei Gruppen folgte sogleich unsere Geschichts-trächtige Führung in die Elektrifizierung des industriellen Zeitalters rund um die vielen Fabriken, Hüttenwerke, Zechen und Kokereien, welche einst das Ruhrgebiet prägten. Auf engstem Raum wurde gefördert, gefertigt und transportiert. Der Strombedarf wuchs in kurzer Zeit, so dass die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen im Februar 1928 das Umspannwerk Recklinghausen in Betrieb nahmen.

Heute ist es Standort einer ungewöhnlichen Kombination aus Industriedenkmal, moderner Betriebsstätte und einem Museum. Direkt an Emscher und Rhein-Herne-Kanal gelegen, umfasste die Anlage damals fünf Gebäude: ein 110.000-Volt- und ein 10.000-Volt-Schalthaus, eine Leitwarte, ein Wohnhaus für die Mitarbeiter sowie ein Trafohaus.

Seit Oktober 2021 zeigt die „Zeitreise Strom“ auf recht großer Hallenfläche die Geschichte der Elektrifizierung. Diese wurde uns beispielhaft und übersichtlich vom Museumsleiter Herr Dobbelmann und seinem Team vermittelt.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll wie die Elektrizität den Alltag der Menschen veränderte. Zuerst langsam, aber unaufhaltsam kam "der Strom" bei den Menschen an. Was am Anfang nur wohlhabenden Familien vorbehalten war, verbreitete sich immer schneller und wurde auch für "normale Arbeiter" erschwinglich.

Von der Stromerzeugung, über die ersten Haushaltsgeräte bis zum Handy reichten die zahlreichen Exponate. Am Beispiel der ersten elektrischen Bügeleisen wurde eindrucksvoll gezeigt wie sich der Alltag nachhaltig veränderte. Was früher viele Stunden und schweißtreibende Arbeit war, wurde durch das Einstecken eines Steckers so viel einfacher. Kein umständliches Anwärmen der Bügeleisen über dem Feuer oder dem Herd mehr, die Wärme war auf Knopfdruck einfach da.

Am Beispiel einer Rechenmaschine aus den 70er Jahren wurde gezeigt wie sich auch die Arbeitswelt veränderte. Einfache Rechnungen die vorher Minuten brauchten, können moderne Handys in Bruchteilen von Sekunden erledigen.

 

Wieder am Bus versammelt waren wir mit Kaltgetränken schnell in regen Gesprächen vertieft. Ein deutliches Signal zum Fertigwerden verkündete die Weiterfahrt nach Sprockhövel, wo der Bus unmittelbar an der Destillerie Habbel und am gleichnamigen Restaurant anhielt und uns austeigen ließ. Hier trifft eine moderne und hell erbaute Gastronomie einträchtig auf historische Brennerei Gebäude. Im Lokal saßen wir Männer gemütlich beisammen. Zum Mittagessen gab es Poulardenbrust im Kürbiskern-mantel gebraten auf Ratatouille mit Herzoginkartoffen. Ein paar leckere Kaltgetränke dazu durften natürlich auch nicht fehlen.

Das in unserem heutigen Tagesablauf erstmalig kein Kaffeetrinken am Nachmittag vorgesehen war, haben alle sicherlich auch an der sehr entspannten Pause im Lokal gemerkt. Außerdem gab es den deutlichen Vorteil der nicht benötigten Busfahrt von dort zum nächsten Ziel. Denn bereits im Restaurant nahmen uns die beiden Repräsentanten von Fa. Habbel in Empfang und führten uns im historischen Übergang unmittelbar in die Destillerie nebenan. Pascal und Marie hatten reichlich Wissenswertes zu erzählen und zu zeigen in Bezug auf Traditionen und die Veränderungen im Brennereibetrieb.

Wie sich eine Herstellung und Veredlung von Alkohol in der Brennerei Habbel seit Ende des 19ten Jahrhunderts entwickelte, konnten wir im historischen Teil sehr anschaulich erahnen. Viele Anlagenteile und Dokumente zeugen von ähnlich schwierigen Zeiten, wie zuvor schon im Museum Zeitreise Strom. Denn auch zum Erzeugungsprozess von Alkohol wird viel Energie, und vor allem jede Menge Wasser benötigt. Aus dem Grund immer trockener werdender Sommermonate konzentriert sich dementsprechend auch der aktuelle Brennereibetrieb auf den Zeitraum ab Herbst bis ins Frühjahr. Weil die Anlagen nun schon abgeschaltet waren, konnten wir unsere Besichtigungstour in aller Ruhe genießen. Diese führte uns auch in eine neue, moderne "Park Destillerie", in der der Produktbereich „Whisky“ ausgebaut worden ist; ergänzt durch ein großes und besonders gestaltetes Holzfasslager.

Zwischen Brennerei und Autobahn A1 erstreckt sich im hügeligen Gelände ein eigener kleiner Obstgarten. Und in den oberhalb gelegenen, etwa 10 Jahre alten Neubauten der sogenannten "Hillock Park Distillery" in Holzbauweise wird nicht nur die neueste Technik, sondern auch eine neuartige "Pot Still Destillierblase" mit eigens entwickelter Helmform betrieben, um beste Qualität zu gewähren. Bei einer Füllmenge von 1.700 Litern können recht große Mengen bewältigt werden ohne dabei industriell aus zu ufern. Das Bestehen einer Manufactur Tradition im klassischen Handwerk zeigt mit viel Liebe zum Detail und Mut auch sanfte und moderne Veränderungen der nachfolgenden Generation. Wir ließen uns davon überzeugen und waren anschließend auch vom und im Saloon begeistert.

Hey Männer, da kamen wir ja in einen richtigen Saloon! Mit Juke Box Disco Fieber Anlage und Pendeltüren in einen urgemütlichen Bar Bereich in Western Style. Ein riesiger Spiegel hinter der Bar mit einer Häuptling Shilouette begrüßte uns vor einer Batterie an Spirituosen. Die wertvollsten in einer Gefängniszelle und in einem riesigen Old school safe verschlossen. Da hieß es: "Take a seat and wait for the drinks" !

In gespannter Erwartung auf unsere Tasting Runde nahmen wir an den Tischen und auf den Barhockern Platz, welche in passendem Ambiente natürlich mit Cowboy Sätteln drappiert waren. Ein begeisterter Reiter war Martin, dem fortan das Lied "Komm' hol das Lasso raus..." angedichtet wurde. Der Refrain lässt sich denken ;-)

Pascal und Maria berichteten darüber, dass wohl der Junior Chefin Michaela Habbel ihrem Vater gegenüber sehr daran gelegen ist, die derzeit immense Auswahl an ca. 130 verschiedenen Spirituosen auf ein überschaubareres Maß zu reduzieren. Aus der riesigen Menge an Likören, Whiskeys, Gin's und deren Veredelungen unterschiedlichster Geschmacksrichtungen konnten wir 4 Sorten probieren: einen Williams, einen Hillock Whiskey mit Honig, einen Schokoladen Liqueur mit Plantagen Kakao aus Venezuela und den Sprockhöveler Urwurz, einen Medizin-artigen kräftigen Kräuterschnaps.

Diese verschiedensten Geschmacksexplosionen waren nicht jedermanns Sache, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. So dass die zum Schluß angekündigte Möglichkeit im hauseigenen Kellershop-Gewölbe sich noch ein paar Erinnerungs-Fläschen mitzunehmen, von einigen Männern auch gerne angenommen wurde.

Wer richtig aufgepasst hatte, bemerkte, dass zur Habbel Destillerie noch die Kornbrennerei Hegemann firmiert. Und im Gewölbekeller entdeckten wir auch ein kleines, aber sehr feines Weinkontor, wo doch die ein oder andere Flaschen Etikettierung unser mitgebrachtes Taschengeld gesprengt hätte.

So ging dieser Tag vergnüglich zu Ende, draußen am Bus wurden die letzten Käsesticks und ein paar Eier verdrückt, bevor das schöne Gruppenfoto vor dem historischen Gebäudeteil entstehen konnte. Nachdem alle lecker zufrieden ihren Sitz wiedergefunden hatten, startete der Bus an der unmittelbar nächsten A1 Autobahn-Auffahrt zur Heimfahrt gen Varensell. Ohne Zwischenfälle waren wir um 19 Uhr wieder zu Hause und genossen noch ein paar gesellige Abendstunden zum Abschlussschmaus in der Gaststätte Hesse. Alle waren sich einig, dass es ein gelungener und schöner Tagesausflug war.

Bis zum nächsten Jahr!

 

Text, Fotos ae/ms